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Sagenhaftes Nabburg

Auch in Nabburg trugen sich mündlich überlieferte und fantastische Erzählungen zu. Wen wundert es bei so einer geschichtsträchtigen Stadt. Lesen Sie selber und finden Sie den wahren Kern in den Nabburger Sagen.

Der Teufelsschuh in der Stadtmauer

Zwischen dem Obertor und dem Stadtgraben erhebt sich zur rechten Seite des Weges eine hohe Stadtmauer, die ehemals die Burg umschloss und sie vor Angriffen der Feinde schützte. In dem Gemäuer befindet sich ein Stein, der die Form eines Schuhes zeigt. Schon mancher Besucher unserer Stadt wird sich gefragt haben, welche Bewandtnis es mit diesem rot gefärbten Stein hat. Folgende Sage gibt uns darüber Auskunft:

Eines Tages beschloss der Burggraf zu Nabburg, für sich und seine Bediensteten eine Burgkapelle zu bauen.

Der Burggraf ließ sich von seinem Baumeister einen Plan anfertigen. Dann befahl er, sofort mit dem Bau der Kirche zu beginnen. Nach einigen Jahren hatte der Baumeister sein Werk vollendet. Nun lud der Burggraf alle Ritter und Edelleute aus der Umgebung zur Weihe des Gotteshauses ein. Der Bischof von Regensburg sollte die feierliche Einsegnung vornehmen. Als der festliche Tag herangekommen war und die vornehmen Gäste sich bei der neu erbauten Kapelle versammelten, saß der Teufel zornig am Rotbühl und überlegte, wie er die Einsegnung der Kirche verhindern könne. Als Geist des Bösen war ihm das Betreten der Weihestätte verboten. So konnte er nur von der Ferne die heilige Handlung beobachten.

Als der Bischof seine Hände hob, um das neue Gotteshaus zu segnen, ergriff den Teufel eine rasende Wut. Er riss den linken Schuh von seinem Fuß und schleuderte ihn mit ungeheuer Wucht gegen die Kapelle. Der Schuh verfehlte jedoch sein Ziel. Er flog in hohem Bogen gegen die Stadtmauer und grub sich dort in das Gemäuer, wo er heute noch zu sehen ist.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch



Vom Fisch im Wappen der Stadt Nabburg

Einmal ging das Wasser der Naab so hoch, dass die Fluten das Mähntor umspülten. Im eisernen Torflügel verfing sich ein Fisch, als das gewaltige Hochwasser wieder zurückging. Zur Erinnerung an dieses furchtbare Ereignis nahm der Rat der Stadt den Fisch im Tor in sein Wappen auf.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch



Das Hufeisen am Obertor zu Nabburg

Eines Sonntagmorgens sprengte ein schwarzer Reiter auf schwarzem Ross durch das Obere Tor zu Nabburg gerade auf die Schmiede zu. „Wollt ihr denn nicht am heiligen Sonntag ruhen?“ rief ihm der Schmied zu. Da entgegnete der Schwarze Reiter: „Ich und mein Ross fahren kreuz und quer, nichts kümmert uns der Sonntag der Christen, drum beschlag mein Pferd in Teufels Namen, ich rate dir, sprecht kein frommes Christenwort dazu, denn kein Frommer ist noch mit meinem Rappen gut gefahren.“ Mit diesen Worten sprang er vom Ross, schmeichelte und strich dem wilden Tier die Mähne.

Dem Schmied war nicht wohl zumut, aber die Arbeit ging rasch vonstatten und das Ross war wie fest gebannt, so, dass der Reiter selbst zusah und seinen Augen nicht traute. Schon waren drei Eisen aufgeschlagen, da sprach der Meister fromm und leise: „In Gottes Namen, nun das letzte Eisen her!“

Da bäumte sich das Pferd, schlug wütend aus und schleuderte das Eisen mit solcher Gewalt gegen das Obertor, dass es in der Mauer stecken blieb, wo es heute noch zu sehen ist. Ross und Mann waren im Augenblick verschwunden.

Die Variante der Sage:

An einem Sonntagvormittag ritt ein Ritter durch das Obertor, hielt vor der Schmiede und wollte sein Pferd beschlagen lassen. Auf den Einwand des Schmiedes, dass man am Sonntag nicht arbeiten dürfte, bot der Ritter einen Beutel Gold und machte den Schmied gefügig. Während der Schmied das letzte Eisen aufnagelte, läute es im nahen Johannesdom zur Wandlung. Der Meister hielt inne und bekreuzigte sich. Im selben Augenblick schlug der Rappe aus, dass das Eisen an das Obertor flog und daran haften blieb.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch



Die Venediger Sage

Ein behäbiger Bauer, der trotz seines hitzigen Temperamentes allgemein beliebt und geachtet war, da er es im Grunde mit jedermann gut meinte, auch bei seinen Ein- und Verkäufern viel mit Fremden verkehrte und darum weit und breit bekannt war, befand sich einst auf einer großen Wiese und war eben mit dem Heuen beschäftigt. Da erhob sich plötzlich ein heftiger Sturm, und weil ihm dieser seine Heuschober empor wirbelte und zerstreute, ergrimmte der Mann und warf sein „Stilett“ mitten in den heftigsten Wirbel hinein. Wir staunte er, als er im selben Augenblick ein Wimmern des Schmerzens vernahm! Er hatte den Vorfall bald vergessen; doch als er nach einigen Tagen wieder auf jener Wiese war, kam wieder wie vor drei Tagen eine heftig wirbelnde Sturmwolke dahergebraust, die ihn umtobte und im Nu in die Lüfte hob, dass ihm das Hören und Sehen verging. Als er wieder erwachte, stand er mitten in einer merkwürdigen Stadt, voll hoher Häuser, durchzogen von engen und weiten Wasserstraßen. Wie er nun so stand und an den Häusern empor blickte, bemerkte er, wie ihm aus dem offenen Fenster eines hohen vornehmenden Hauses ein Mann winkte, der um den Kopf eine Binde zu tragen schien. Da unser Landmann sonst nichts wusste, wo aus und an, folgte er, wenn auch klopfenden Herzens, der stummen Aufforderung und betrat das Haus. Ein Diener, der ihn erwartet zu haben schien, führte ihn schweigend einige finstere Treppen empor und wies ihn in ein reich geschmücktes Zimmer, wo ihm ein Mann entgegentrat, dessen rechtes Auge verbunden war. Wie erstaunte unser Michael, so hieß unser Bauer, als er sich von dem unbekannten Manne in seiner Muttersprache angesprochen hörte: „Schau, Michael“, sprach der Fremde und deutete auf sein verbundenes Auge, „das hast du getan; durch den Wurf deines Messers hast du mich vor drei Tagen so schwer verwundet, dass ich ein Auge verloren habe. Wenn ich nicht schon soviel gehabt hätte, würde es dir jetzt schlimm ergehen. Ich will dir aber verzeihen.“
Hierauf bewirtete er ihn reichlich und befahl ihm, die Stadt – er nannte sie Venedig – schleunigst zu verlassen, bevor noch ruchbar werde, was er angestiftet. Als aber Michel außerhalb der großenteils von Sümpfen umgebenen Stadt war, ergriff ihn ein rasender Sturm und setzte den Besinnungslosen spät abends auf derselben Wiese nieder, wo ihn eine ähnliche Windsbraut vor kurzem entrafft hatte und wo er jetzt wie aus einer Betäubung erwachte.


Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernt Dausch (+)



Die Sage vom tausendjährigen goldenen Fisch in der Naab

In der Naab lebt ein tausend Jahre alter Fisch, dessen Rücken schon bemoost ist und der im Maul einen goldenen Schlüssel trägt. Wer den Fisch fängt, bekommt den Schlüssel und findet ein Kästchen, das im Brünnlberg vergraben und mit Goldstücken gefüllt ist. Er kann es mit dem Schlüssel öffnen und ist ein reicher Mann zeit seines Lebens.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch (+)



Der vertragene Pfleger von Nabburg

Ein Pfleger von Nabburg hatte von einem Bauern eine Schuld eingetrieben, aber die Zahlung nicht bestätigt.

Nach seinem Tode ließen ihn die Kinder auf den Stockenfels vertragen. Dies geschah durch einen Familienhauer; denn diese fahrenden Leute hatten die Macht, Geister, besonders böse, die durch ihr Walzen die Menschen beunruhigten, zu vertragen. Dieser hatte aber keinen Stuhl bei sich, so dass er rasen musste, was nicht sein sollte. Daher wollte man ihn nicht seiner Mühe entlohnen, bis er drohte, den Geist von der Burg wieder zu holen.

Als der neue Pfleger aufzog, sollte der Bauer wieder zahlen; denn er hatte ja keine Quittungen in der Hand und im Buche stand die Schuld noch nicht getilgt. Der arme Mann beteuerte bei Gott und allen Heiligen, dass er schon bezahlt habe. Der neue Pfleger glaubte es nicht und sagte höhnend zu ihm: „Geh’ nur auf Stockenfels und beschwere dich bei dem verstorbenen Pfleger selbst.“ Schweren Herzens, aber von der Not gedrängt, ging der Bauer den saueren Gang. Auf dem Stockenfels fand er den Herrn mit noch drei anderen am Tisch sitzen, die Füße unter dem Tisch in einem Kessel voll roter Glut und mit glühenden Karten spielen. Der Geist schrieb willig die verlangte Quittung und legte sie dem Bittenden in den Hut.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch (+)



Der Ritter im Landgerichtsgebäude zu Nabburg

Zu Nabburg im Landesgerichtsgebäude ist ein Zimmer, in welchem ein Ritter nachts in den Aktenschränken herumsucht, in den Akten blättert, sie dann zuschlägt und sich über die schlafenden Menschen hinüberbeugt, worauf er ruhig fortgeht. Einst hatten die Tempelherren hier ihren Sitz.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch (+)



Das Mirfral in der Naab

In der Naab sieht man das Mirfral im Frühjahr und im Sommer, wenn die Sonne schön untergeht, aufrecht schwimmen. Der untere Teil ihres Leibes ist ein Fisch. Aber den sieht man nicht, der ist unter dem Wasser. Oberhalb ist sie ein sauberes Weiberleut mit langen Haaren. Schon von weitem hört man sie glöckerlhell singen. Wer auf sie zugeht, den zieht sie hinunter.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch



Der große Stein zu Perschen

Unweit des nördlichen Friedhoftores, wo jetzt die Jungfrau und der Bär als friedliches Wahrzeichen prangen, fließt ein kleines Bächlein durch das Dorf. Eine große dreieckige Steinplatte bildet das Brücklein darüber. Man erzählt sich, eine Riesin habe den Stein bis hierher geschleppt, um damit die Kirche einzuwerfen. Als sie den Bach überschritt, sprang ihr das Schurzband entzwei. Da legte sie den Stein beiseite, setzte sich hin, um das Band wieder zusammenzunesteln und vergaß darüber ihr Vorhaben. Also steht die Kirche heute noch. Der Stein lehnt an der Ostaußenmauer des Bauernmuseums, rechts vom Eingang.
 

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch (+)



Der Kirchenbau zu Perschen

In Perschen wurde die Kirche gebaut. Die Riesen wollten den Bau nicht haben; ein Riesentöchterlein schleppte ihrem Schurz einen Stein herbei, um damit die Kirche einzuwerfen. Als es über den Bach schritt, riss ihr das Schurzband entzwei. Da legte sie den Stein beiseite, setzte sich hin, um das Schurzband wieder zusammenzunesteln. Darüber vergaß sie ihr Vorhaben. Die Kirche steht heute noch, und der Stein liegt nicht mehr über den Bach, sondern rechts neben dem Eingang zum Bauernmuseum

Quelle:Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch (+)



Bärenfräulein zu Perschen

Es ging einmal in grauer Vorzeit ein Edelfräulein an dieser Stätte vorüber. Als es eine Strecke Weges gegangen war, sprang ihr auf einmal ein ungeheueres Tier auf den Rücken. Die erschrockene Maid wehrte sich, so gut sie konnte und versuchte das Tier abzuschütteln; allein da half kein Ringen, und so musste sie es tragen. Der Angstschweiß stand ihr auf der Stirne und ihre Kräfte wichen. Da blieb sie stehen, blickte zum Himmel und gelobte, sie baue hier eine Kirche, wenn der liebe Gott sie von dem Ungeheuer befreie. Das Tier ließ los und sie sah kaum mehr, wie ein großer Bär in den Wald sich trollte. Die Kirche wurde gebaut und so entstand Perschen.

Die Variante der Sage:

Agnes, eine Tochter des Ritters von Wernberg, zog mit ihren Gespielinnen hinaus ins Tal der Naab, um Blumen zu pflücken.
Plötzlich stürzte sich aus dem nahen Wald ein bärenartiges Ungetüm auf das Edelfräulen umklammerte es von rückwärts mit seinen Tatzen. Die Gespielinnen entflohen, vergeblich nach Hilfe rufend. Agnes glaubte sich verloren und gelobte in ihrer Todesangst, hier eine Kirche bauen zu lassen, wenn sie von dem Untier errettet würde. Kaum hatte sie das Gelöbnis getan, so ließ das Tier von ihr ab und verschwand.

Nach anderer Überlieferung hatten sie nach ihrem Gelübde den zweiten Kirchturm der Hauptkirche bauen lassen.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch



Das Zwerglein von der Schießstätte

Vor vielen Jahrhunderten hauste in den Kellern an der Schießstätte zu Nabburg ein gutmütiges Zwergenvölklein. Die winzig kleinen Männlein taten niemand etwas zuleide; im Gegenteil, sie halfen gar manchen alten Bäuerlein.
Nachts – wenn die Landleute, vom harten Tagwerk ermüdet, im tiefen Schlaf lagen -, schlichen sich die Zwerge in die Höfe und arbeiteten. Dafür holten sie sich aus den Kellern der Schießstätte ab und zu einen Topf Milch.
Nun lebte zu jener Zeit auch eine Bäuerin, die sehr habsüchtig und neidisch war. Es gefiel ihr zwar recht wohl, wenn sie morgens fand, dass in der Nacht die emsigen Zwerge tüchtig geschafft hatten. Aber die Gift und Galle spie sie, sobald draußen im Keller ein Topf leer stand. Eines Nachts musste darum der Bauer im Keller Wache halten. Im dunkelsten Winkel – hinter dem steinernen Krautfass – versteckte er sich, bewaffnet mit einem armdicken Prügel. Auf dem nahen Kirchturm schlug es zehn Uhr, elf Uhr. Unheimlich still um und um. Der Uhrzeiger rückte auf die Mitternachtsstunde. Da – plötzlich ein matter Lichtschein und ein leises Trippeln. Atemlos lauschte der Bauer; regungslos saß er in seinem Versteck. Aus einem unscheinbaren Loch der rechten Seitenwand des Kellers schlüpfte der Vater der Zwerge, in der einen Hand eine niedliche Laterne, in der anderen schwang er ein hölzernes Löffelchen. Vorsichtig guckte er sich im Keller um. Er bemerkte das Bäuerlein nicht. Deswegen – ein leiser Pfiff und ein schneller Wink – und im Nu waren noch mehrere seiner Kameraden bei ihm. Hurtig ging’s nun über einen Milchtopf; blitzschnell war er ausgelöffelt. Eben setzten sich die Zwerglein an einen zweiten …
Jetzt konnte sich der Bauer nicht mehr beherrschen. Unter fürchterlichem Gebrüll stürzte er aus seinem Schlupfwinkel hervor und schlug blindlings auf die kleinen Männer los. Doch diese waren flink, und zum Glück traf kein einziger Schlag. Die Zwerge kamen nicht wieder in diesen Keller. Sie rächten sich aber und verzauberten die Milch. Die war jeden Morgen ungenießbar.
Bauer und Bäuerin sahen jetzt wohl ihren dummen Streich ein – indes, es war nicht mehr gut zu machen. Zeitlebens mussten sie dafür büßen.

Quelle: Heimatbuch Nabburg - Ernst Dausch (+)



Wie der Daumenickerl einen Fisch fangen wollt'... (Märchen)

Eine Kindergeschichte - Märchen aus Nabburg im Bayrischen Nordgau
von Gunn-Heide Fröhlich (Illustrator), Josef Poschenrieder der Ältere Wiesmühlner (Erzähler), Thorwald Poschenrieder (Bearbeitung)

Bilderbuch im alten Stil mit einem neu entdeckten, reich bebilderten Märchen. Die Geschichte vom kleinen Daumenickerl (Däumling) – ein in der Müllerfamilie Poschenrieder überliefertes Märchen – spielt am Ufer des Naabflusses. Der Daumenickerl ist ein unfolgsamer winziger Junge, der nicht auf Eltern und Schwester hören will. Das Unglück läßt nicht lange auf sich warten, aber am Ende herrscht dann wieder eitel Sonnschein… Die so spannende wie urwüchsige Erzählung in Vers- und Reimform im Zusammenspiel mit den anheimelnden Bildern läßt Groß und Klein in eine wunderbare Zauberwelt eintauchen. Der Leser wird lehr- und erlebnisreich gefordert, ist doch das Märchen in einer längst versunken geglaubten Schrift gehalten: in unserer alten deutschen Schreibschrift. Eine ABC-Tafel zum Lesenlernen sowie eine Übertragung in die heutige Lateinschrift helfen über Fragen hinweg. Lernen Sie dieses ganz besondere Schmuckstück neuer, liebevoll gestalteter Buchkunst im alten Stil kennen!