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Vielen Dank an Josef Eimer aus Wernberg-Köblitz, der uns einen Teil seiner Arbeiten zur Verfügung stellt!

Die Nabburger Stadtmauer und der Teufelsschuh

Hausvertrag von Pavia 1329                                                                                                                     
Von weitreichender Bedeutung für den sich rasch konsolidierenden Amtssprengel Nabburg wurde die im Hausvertrag von Pavia festgelegte Teilung der wittelsbachischen Besitzungen. Es gab künftig zwei Fürstentümer, nämlich die Pfalzgrafschaft bei Rhein und das Herzogtum Oberbayern. In dieser am 4. August 1329 getroffenen Übereinkunft billigte Kaiser Ludwig der Bayer den Söhnen seines verstorbenen Bruders Rudolf die Pfalzgrafschaft bei Rhein zu. Zu gehörten u.a. Nabburg, Amberg, Pressath, Erbendorf, Neustadt/WN, Viechtach und Hirschau.

Steuervorteile                                                                                                                                        
Kurfürst Ludwig III., Sohn des deutschen Königs Ruprecht III., befreite die Stadt durch das Privilegium vom 23. September 1429 auf sechs Jahre von jeglicher Steuer, damit sie wegen drohender Hussitenüberfälle den Ausbau bereits vorhandenen Befestigungsanlagen vorantreiben konnte. Außerdem durfte sie 20 Jahre lang ein Ungeld (einen Aufschlag) auf Wein, Bier und Met erheben. Für die hartnäckig geäußerte Behauptung, Nabburg sei von Hussiten eingenommen und/oder gebrandschatzt worden, gibt es urkundlich aber keine Belege. Das bestätigt der langjährige Archivar Bertram Sandner.

Türme und Mauern 
Es mag ein stolzer Anblick gewesen sein, als 12 bzw. 14 trutzige Tore (einschließlich Unterstadt und Venedig) die Eingänge sicherten. Von der wehrhaften Befestigung zeugen bis heute Mähntor, Obertor, Fleischtörlein, Pulverturm, Dechantturm und der doppelte Mauerring mit dem Zwinger

Schäden in der Stadtmauer
Nach so langer Zeit bröckelt das jahrhundertealte doppelschalige Bollwerk – wen wundert es – mittlerweile an mehreren Stellen. Erst im Februar 2021 fielen Brocken auf den Zwingerrundweg im Osten. Auch beim Dechantturm gab es im Winter Steinschläge. Der städtische Bauhof behob die Schäden inzwischen provisorisch. Neuerdings musste die durch das Obertor verlaufende Kemnather Straße einige Tage gesperrt werden, damit das zuständige Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach brüchiges Natursteinmauerwerk unterhalb des Pflegschlosses stützen und verkeilen konnte.

 

Die dazugehörige Sage vom Teufelsschuh

Gleich neben der schadhaften Stelle befindet sich ein rot gefärbter Stein, der die Form eines Schuhes hat. Schon mancher Passant – ob Einheimischer oder Besucher -  wird sich gefragt haben, welche Bewandtnis es damit hat.                                            
Folgende Sage gibt uns darüber Auskunft.                                                                                                                                         

Eines Tages beschloss der Burggraf, für sich und seine Bediensteten eine Kapelle zu errichten und sie dem heiligen Laurentius zu weihen. Heute dient sie übrigens der evangelisch-lutherischen Gemeinde als Gottesdienstraum. Nach einigen Jahren war das Werk vollendet und der Bauherr lud die Ritter und Edelleute aus der Umgebung zur Weihe ein. Den Bischof von Regensburg hatte er gebeten, die Konsekration vornehmen. Am Festtag versammelten sich die vornehmen Gäste bei der neuen Kapelle. Der Teufel aber saß zornig auf dem Berg gegenüber und überlegte, wie er den feierlichen Ablauf verhindern könne. Als Geist alles Bösen war ihm ja das Betreten der Weihestätte verboten. So konnte er nur von ferne zuschauen. Als der Bischof seine Hände hob, um das Gotteshaus zu segnen, ergriff den Teufel eine rasende Wut. Er riss den linken Schuh vom Fuß und schleuderte ihn mit ungeheurer Wucht in Richtung Kapelle. Doch dieser verfehlte sein Ziel, flog gegen die Stadtmauer und grub sich in das Gemäuer ein, wo er heute noch zu sehen ist.

Quellen:                                                                                                                          
Elisabeth-Müller Luckner, Historischer Atlas von Bayern. Nabburg, München 1981                                                                                                                                                
Konrad Haller, Nabburg – Spuren einer reichen Vergangenheit, Nabburg 1953  
Ernst Dausch, Die Sagen von Nabburg und Umgebung, Nabburg 1979
Der neue Tag, Weiden, 15. Juli 2021



Der fürstliche Oberbaurat Max Schultze und das Obertor in Nabburg

Dienst für den Fürsten

Max Schultze wurde am 4. Mai 1845 in Partenkirchen geboren. Nach dem Studium der Architektur und des Ingenieurwesens, der Teilnahme an den Kriegen 1866 und 1870/71 trat er 1872 in den Dienst des mediatisierten Fürstenhauses Thurn und Taxis. Die Ernennungsurkunde zum Bauinspektor bei der Domänenadministration unterzeichnete Erbprinzessin-Witwe Helene, Schwester von Kaiserin „Sisi“. Seit dem Übergang  der säkularisierten Benediktinerabtei St.  Emmeram in Regensburg 1812 an den Generalerbpostmeister war man bestrebt, den riesigen Komplex den Bedürfnissen einer feudalen Residenz anzupassen. Der früh verstorbene Fürst Maximilian (reg. 1883 – 1885) entschloss sich, den Südflügel abreißen und durch ein Neorenaissancegebäude samt  Rundturm ersetzen zu lassen. Heute gilt der 185 m lange Trakt als bedeutendes Denkmal des Historismus in Deutschland. Max Schultze hatte dafür die Pläne entworfen. Es war sein Hauptwerk neben vielen anderen Projekten.

 

Dienst für den König

Mittlerweile zum Bauoberrat befördert, erteilte ihm auch Ludwig II. 1884 einen ehrenvollen Auftrag: Der König wollte auf dem abgelegenen Felskegel des Falkensteins bei Pfronten eine spätgotische Ritterburg errichten. Den Plan seines Oberbaudirektors Georg von Dollmann (Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein) verwarf er, Schultzes Entwurf dagegen gefiel dem anspruchsvollen Monarchen. Straße und Wasserleitung wurden noch gebaut, nicht mehr.

Studienreisen in der Oberpfalz

Eine seiner zahlreichen Studienreisen führte Max Schultze auch quer durch unseren Regierungsbezirk. Was er da an traditioneller Baukunst  in vielen Städten (u.a. in Berching, Beilngries, Neumarkt, Cham, Regensburg, Burglengenfeld, Kallmünz, Amberg und Weiden) entdeckte und in Zeichnungen akribisch festhielt, veröffentlichte er 1911 in der 1907 von J. B. Laßleben gegründeten Zeitschrift „Die Oberpfalz“.

Aufenthalt in Nabburg

1911 machte er Station im mittelalterlichen Nabburg. Besonders interessierte den „Stararchitekten“ das gotische Obertor mit seinen fünf Geschossen und acht Ecken am nordwestlichen Ende der Altstadt. Bereits ein Jahr zuvor hatte er dieses „köstliche Baudenkmal“ bewundert. Jetzt erfuhr er zu seinem Entsetzen, dass es abgebrochen werden sollte. Dafür war bereits 1895 vom Innenministerium die Genehmigung erteilt worden! Ein Anwohner erklärte dem Besucher: „Das alte Tor muss weg, weil es ein Verkehrshindernis ist. Wer es erhalten will, soll das Geld für einen Durchbruch daneben herausrücken!“ Der Mann habe aus seiner Sicht gar nicht so Unrecht, gab der Oberbaurat  zu. Doch auch in kleineren Orten sei für alles Mögliche Geld vorhanden, nur nicht für die Erhaltung derartiger Relikte. So erscheine es denn auch nicht ausgeschlossen, dass dieses Schatzstücklein eines Tages dahin gehe, wohin schon so viel Schönes aus der Oberpfalz gegangen sei. Nur wenn das Land selbst ausgiebig für die Erhaltung solcher Werte draußen in der Provinz die nötigen Mittel bereitstelle, könne der Vernichtung Einhalt geboten werden. Positiv stimme ihn die Bewahrung des Mähntors. Hier habe man 1907 in die Stadtmauer eine zweite breitere Durchfahrt gebrochen. „Da nun aber die Nabburger bei ihrem unteren Tore eine so erfreuliche Lösung gefunden haben und dieser nicht minder schöne Altbau zur Freude jedes Verständigen erhalten blieb, so wollen wir hoffen, dass dieses auch beim oberen Tor der Fall sein möge.“, wünschte der fürstliche Beamte, der am 5. September 1926 in seinem Geburtsort starb.

Erhaltung

Weil sich neben Max Schultze auch der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg nachdrücklich für den Erhalt des malerischen Obertors einsetzte, änderte der Stadtmagistrat seine Pläne: Die angrenzende Befestigungsmauer wurde mit einem großen Bogen durchbrochen und die Zwingermauer versetzt. So konnte die aus Amberg kommende Straße durch eine mäßige Kurve in die neue Öffnung einmünden. Am 8. April 1914 – kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs  - verkündete Bezirksamtmann Karl Mantel in der Lokalzeitung: „Beim Obertor in Nabburg wird gegenwärtig die Stadtmauer durchbrochen, damit die Straße um das Tor herumgeführt werden kann. Auf diese Weise gelingt es, ein ehrwürdiges Wahrzeichen zu erhalten und den modernen Verkehrsbedürfnissen Rechnung zu tragen. In dankenswerter Weise hat die Stadtgemeinde erklärt, die Räume im Obertor nach Beendigung der Ausbesserungsarbeiten für ein Bezirksmuseums zur Verfügung zu stellen.“

Zerstörung

Einen so prominenten Fürsprecher hätte auch das Webertor im Markt Luhe gebraucht: Im März 1937 wurde das letzte von ursprünglich drei Toren abgerissen, obwohl eine Umgehung möglich war. „Dieses Tor stellte schon lange ein Verkehrshindernis dar. Wenn man die bereits angelegte Straße betrachtet, dann muss man bekennen, daß es wirklich nicht schade um dieses alte Bauwerk war.“, hieß es lapidar im „Oberpfälzischen Kurier“.

Fazit

Das Obertor am nordwestlichen Ende der sanierten Nabburger Altstadt ist ein romantischer Blickfang für Einheimischen und Gäste. Nicht auszudenken, wenn das mittelalterliche Kleinod  tatsächlich abgerissen worden wäre! Dass es noch heute alle begeistert, ist auch dem Engagement des fürstlichen Oberbaurats Max Schultze, eines führenden Architekten Deutschlands, zu verdanken.

 

Quellen:

Zeitschrift „Die Oberpfalz“, Jahrgänge 5, 9 und 83, Kallmünz 1911, 1915 und 1995.                                                                                                                           

KDB, Bezirksamt Nabburg, München 1910.                                                                                             

Stadtarchiv Nabburg, Akten I Nr. 2673.

Konrad Haller, Die Spuren einer reichen Vergangenheit, Nabburg 1953.

Franz Herre, Ludwig II. von Bayern, Stuttgart 1986.                                                                            

Oberpfälzischer Kurier, Weiden, 2. Oktober 1937.



Das Plentl-Kreuz bei Maria Brünnl

Tierärzte in Nabburg

1853 wurde Dr. Johann Kreitmann, praktischer Arzt in Hirschau, zum Gerichtsarzt des Landgerichts Nabburg bestellt. 1857 verfasste er einen Physikatsbericht. U.a. erwähnte er darin, dass Georg Reichhard als Tierarzt fungiere und sich durch gewissenhafte Pflichterfüllung auszeichne. Zu Reichhards Nachfolger wurde Julius Plentl berufen. Er stammte aus Niederbayern, wo er 1831 in Jellenkofen, Landgericht Rottenburg, das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern waren der Chirurg Pirmian Plentl und dessen Ehefrau Johanna. 1860 wurde er erstmalig in seiner neuen Funktion tätig. Damals ging es um Viehmarktschaugebühren in Pfreimd.

 

Dienstpflichten

Am 10. November 1861 erließ König Max II. ein Gerichtsverfassungsgesetz, das Rechtspflege und Verwaltung auf der unteren Ebene trennte. Die Kreise wurden in Bezirke mit je einem Bezirksamt eingeteilt. Diese fungierten ab 1. Juli 1862  als reine Verwaltungseinheiten, während die Landgerichte allein gerichtliche Aufgaben erfüllten. Im Vollzug dieser Reform entstand aus dem Landgericht ä. O. Nabburg das Bezirksamt Nabburg. Zu seinen Bediensteten zählte u.a. Bezirkstierarzt Julius Plentl. Er beriet die Distriktspolizeibehörde in allen Angelegenheiten des Veterinärwesens, nahm die Fleischbeschau vor und überwachte die Viehmärkte, Schlachthäuser und Wasenmeister (Abdecker).   

 

Schenkung

Am 2. Januar 1905 entschloss sich der pensionierte Mediziner, dem Bezirkskrankenhaus Nabburg 5000 Mark zu schenken. Mit dieser großzügigen Geste verknüpfte er folgende Bedingungen: Er müsse jederzeit in das Krankenhaus aufgenommen werden. Dort beanspruche er ein eigenes Zimmer. Täglich erhalte er ein Frühstück, Mittag- und Abendessen. Für die Arzt- und Beerdigungskosten komme er selbst auf. Nach seinem Tod erbe das Institut Mobiliar und restliches Vermögen.   Bereits am 24. Oktober 1905 meldete Oberin Maria Nice das Hinscheiden Plentls, der am 21. Oktober 1905 im Bezirkskrankenhaus verstorben sei. Beerdigt wurde der Veterinär am 27. Oktober 1905 auf dem Stadtfriedhof Nabburg.

 

Votivgabe Plentl-Kreuz bei Maria-Brünnl

Bis heute ist der Name des ersten Nabburger Bezirkstierarztes in der Region unvergessen. Er stiftete nämlich 1882 mit Genehmigung des Bezirksamts Nabburg ein sieben Meter hohes Eisenkreuz, das mit einer zwei Meter hohen vergoldeten Christusfigur aus Gusseisen geschmückt war. Der zuständige Pfarrer Franz Xaver Kobler in Schwarzenfeld hatte gegen das Vorhaben keinen Einspruch erhoben, sondern seine Freude darüber ausgesprochen. Allerdings bestand er darauf, dass ein entsprechender Fond ausgesetzt werde, um das 700 Mark teure Kreuz in gutem Zustand zu erhalten. Dem stimmte der Gönner zu. So konnte Kooperator Rathmann dem exponierten Flurdenkmal den kirchlichen Segen erteilen.

Flurdenkmäler dieser Art gibt es häufig. Das Besondere am „Plentl-Kreuz“ ist aber, dass es an der Kante eines 416 Meter hohen, steil abfallenden Felsens steht und nur auf schmalen Pfaden erreichbar ist. Es befindet sich östlich der Wallfahrtskirche Maria Brünnl und ist von Reisenden auf der A 93 und der Bahnlinie Regensburg-Weiden weithin einzusehen. Am Fuß des Bergrückens überwachte einst der beschrankte Bahnposten 24 bei Kilometer 56,3 den Weg von Schwarzenfeld nach Nabburg.

Was veranlasste Julius Plentl zu diesem zweiten Vermächtnis, das bis in die Gegenwart reicht? Nach der Überlieferung hatte er sein Augenlicht sukzessiv eingebüßt. Aber er vertraute auf die Heilwirkung des Quellwassers unterhalb der beliebten Wallfahrtskirche Maria Brünnl und wusch sich mehrmals die Augen aus. Und tatsächlich besserte sich das Sehvermögen, was bald in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer kursierte.

Noch heute gedenken viele Pilger der wundersamen Genesung und benetzen ebenfalls ihre Augen mit dem heilkräftigen Quellwasser. Sie tun das besonders gern am 15. August, dem „Brünnl-Feiertag“ (Mariä Himmelfahrt), wenn sie am Festgottesdienst in der Waldidylle teilnehmen. Aber auch während des Jahres werden Kirche, Kapelle und Quelle von Spaziergängern aus nah und fern aufgesucht.

 

Quellen:                                                                                                                          

Stadtarchiv und Standesamt Nabburg                                                                               

Franz Kobler, Chronik der Pfarrei Schwarzenfeld, Amberg 1905                                          

Rita Scharl, Geschichte der Gemeinde Stulln, Regensburg 1999    



Josef Danhauser aus Nabburg Erbauer der Wallfahrtskirche in Söllitz

Chronik von Pfarrer Schütz

Von 1887 bis 1924 war Johann Baptist Schütz Pfarrer in Trausnitz. In seiner 1890 verfassten Chronik geht er auch detailliert auf das Gotteshaus in Söllitz ein. [1]

Kirchenbrand 1872

Die Wallfahrtskirche Zu den 14 Nothelfern in Söllitz wurde 1723 anstelle der spätmittelalterlichen Vorgängerkirche erbaut und 1732 konsekriert. Am 9. Juni 1872 entzündete ein Blitzschlag den Turm. Die Flammen griffen rasch auf das Kirchenschiff über und legten es in Schutt und Asche. Beherzt retteten Dorfbewohner das altehrwürdige Gnadenbild, 4 Heiligenstatuen und einige Votivgaben.

Neubau

Ab 1877 erstand das Gotteshaus in veränderter Form wieder neu. Mit sämtlichen Bauarbeiten wurde Josef Danhauser aus Nabburg betraut. Er hatte 5937 Gulden veranschlagt. Nach der Fertigstellung erhielt er eine Nachzahlung von 387 Gulden. Bereits am 13. März 1878 konnte Pfarrprovisor Josef Hermann den ersten Gottesdienst feiern. [2] Zwei Tatsachen lassen uns staunen: Die verblüffend kurze Bauzeit von wenigen Monaten und exakte Kalkulation, die nur gering überschritten wurde. Man vergleiche mit heutigen Kostensteigerungen! 
Die neue Kirche ist ein Saalbau mit 4 Jochen, der mit einem halbrunden Chor abschließt. An die Südseite fügt sich der Turm mit einem Spitzhelm an. Der neobarocke Innenraum mündet in ein Tonnengewölbe und ist mit flachen Stichkappen gegliedert.[3]

Ausstattung

Die Innenausstattung gelang in den folgenden Jahren mit Hilfe großherziger Spender. Zu ihnen gehörten Domvikar Georg Dengler aus Regensburg (Altäre und Kanzel), Benefiziat Leonhard Rauch aus Amberg (Glocken), Georg Hösl aus Schiltern, Paul und Barbara Hösl aus Wiesensüß (Orgel) und Fürst Albert von Thurn und Taxis (Marienstatue). Letztere wurde am 29. Juni 1888, dem Hauptfest der Erscheinung der 14 Nothelfer, von Pfarrer Johann Baptist Schütz vom 3 Kilometer entfernten Trausnitz bergauf nach Söllitz getragen und auf den linken Seitenaltar erhoben.

 

Erbauer aus Nabburg

Josef Danhauser wurde 1829 als Sohn des Tagelöhners Michael Danhauser und dessen Ehefrau Barbara in Nabburg geboren. Er starb am 13. Januar 1905 im Alter von 74 Jahren im Wohnhaus Nr. 336 (später Regensburger Straße 11). Ehefrau Magdalena hatte bereits 1881 50-jährig das Zeitliche gesegnet. [4] An der Beerdigung des „redlichen und braven Bürgers der Stadt“ und Gründers eines überaus erfolgreichen Unternehmens nahmen zahlreiche Leidtragende teil. „Ein reges, von frühester Jungend bis zum Tode ununterbrochen tätiges Leben füllte die lange Laufbahn des nach sechstägiger Krankheit Dahingeschiedenen aus. Durch eisernen Fleiß und seine seltene Geschicklichkeit brachte es der Verblichene vom einfachen Arbeiter zum angesehenen Baumeister, der sich durch die Errichtung größter Staats- Kirchen- und Schulhausbauten das größte Vertrauen der Auftraggeber errang. Im Privatleben erwarben ihm sein edler Charakter die Achtung und Liebe aller, mit denen er verkehrte. Sein plötzlichen Hinscheiden wird allgemein tief bedauert.“ [5]  Zu den Kirchenbauten: 1890 beauftragte Pfarrer Schütz den in Söllitz bewährten Josef Danhauser mit der Errichtung der Pfarrkirche St. Josef. [6] Auch die Kirche in Gleiritsch ist ein Werk des Nabburgers.

[1] Schütz, Johann Baptist, Geschichte des königlichen Schlosses Trausnitz im Thal, Trausnitz 1890, S. 112 ff.

[2] Josef Danhauser wurde von Pfarrer Johann B. Schütz  als „als ebenso ehrlicher als tüchtiger Baumeister“ bezeichnet. (Schütz, ebd., S. 114) Sein Grab ist im Stadtfriedhof Nabburg erhalten.

[3] Drexler, Jolanda/Hubel, Achim, Regensburg und die Oberpfalz, Regensburg 1991, S. 686.

[4] Standesamt Nabburg, Sterbebuch 1881 und 1905.

[5] Stadtarchiv Pfreimd, Amts– und Anzeigeblatt für das Bezirksamt Nabburg, 18. Januar 1905.

[6] Pfarrarchiv Trausnitz.



Geschichtliches aus unserem Stadtarchiv!

Unser Stadtarchivar Gotthard Kemmether stellt für Sie immer wieder interessante Funde und Geschichten mit Informationen aus unserem Stadtarchiv bereit!

Die Stiftungen der jüdischen Familie Baum in Nabburg

Die bekannteste jüdische Familie in Nabburg war die Familie Baum, der das sog. „Baum-Haus“ am Unteren Markt (Unterer Markt 3, alte Haus-Nr. 50) gehörte. Alois Baum (1860 – 1917) hatte nach seiner Heirat mit Clara Wilmersdörfer (1861 – 1925) 1888 die Nabburger Filiale des Bekleidungsgeschäftes seines Schwiegervaters Joseph Wilmersdörfer in Weiden übernommen (das dortige Geschäft wurde später von Max Friedmann übernommen und existiert noch heute).  Die zunächst unter den Namen Wilmersdörfer-Baum firmierende Niederlassung wurde später in „Kaufhaus Alois Baum“ umbenannt.

Alois Baum engagierte sich im gesellschaftlichen Leben Nabburgs: Er war Mitglied der Feuerwehr und starb an einer Erkrankung, die er sich bei einem Einsatz zugezogen hatte – im Alter von 57 Jahren. Zu seinem frühen Tod wird auch die Ungewissheit über das Schicksal seines Sohnes Josef beigetragen haben, wovon unten noch die Rede sein soll. Aktenkundig ist – neben anderen Nabburger Bürgern – seine Spende zum 90. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold 1911. Mit dieser Spendensammlung wurde eine aufwendige Handwerksarbeit durch die bayerischen Kommunen finanziert, auf der auch das Nabburger Stadtwappen angebracht war.

Besonders erwähnenswert ist aber eine Stiftung, die vom Ehepaar Baum während des Ersten Weltkriegs eingerichtet wurde. Der einzige Sohn Josef (1897 – 1968) nahm als Soldat am Krieg teil und geriet im September 1916 bei Lipica Dolna an der Narajowka in Galizien (heute westliche Ukraine) in russische Kriegsgefangenschaft. Die um das Schicksal ihres Sohnes ernsthaft besorgten Eltern beschlossen daraufhin, jedes Jahr „zwei bedürftige Kriegsteilnehmer des jetzigen Krieges oder deren Familien“ finanziell zu unterstützen im Rahmen der „Alois und Klara Baum’schen Kriegsstiftung 1914/1917“.

Die Präambel der Stiftungsurkunde vom 7. März 1917 lautet: „Im Vertrauen auf Gott, dass unser Sohn Josef gesund aus der russischen Kriegsgefangenschaft in seine Heimat Nabburg zurückkehrt…“. Das Stiftungskapital betrug 1000 Mark (in Kriegsanleihe-Papieren des Deutschen Reiches), die Auswahl der Begünstigten sollte der Stadtmagistrat treffen und ihnen am 2. Januar jeden Jahres die anfallenden Zinsen auszahlen. Sollten irgendwann keine „Kriegerfamilien“ mehr vorhanden sein, sollten die Zinsen an zwei bedürftige Familien in Nabburg gehen. Die Vorlage des Urkundentextes findet sich auf einem Briefpapier des Kaufhauses Baum mit einer repräsentativen Ansicht des Gebäudekomplexes in seiner damaligen Gestalt (siehe Abbildung oben). In der überarbeiteten, endgültigen Fassung des Urkundentextes vom 20. Mai 1917 wurde noch der Passus angefügt: „Um etwaige Zweifel zu beseitigen, bestimmen wir, daß, wenn es Gottes Wille wäre, daß unser Sohn in der Gefangenschaft sterben und nicht mehr nach Nabburg zurückkehren sollte, eine Aenderung (!) der Stiftung und des Zweckes nicht eintritt.“

Der Stadtmagistrat zeigte sich über die Stiftung „hocherfreut“ und sprach den Stiftern in einem Schreiben vom 27. April 1917 „für den hierdurch bekundeten Wohltätigkeits- und Gemeinsinn Dank und Anerkennung“ aus. Die Annahme der Stiftung wurde in der Magistratssitzung am 20. Juni 1917 beschlossen und die Übernahme der Verwaltung der Stiftung „im Sinne der Stiftungsurkunde“ von Bürgermeister Alois Gürtler bestätigt.

Am 31. Dezember 1917 wurden die Begünstigten der Stiftung für das Jahr 1918 ausgewählt: Frau Bauer, die „schwer erkrankt“ war, „in elenden Verhältnissen“ lebte und deren beide Söhne im Krieg verwundet worden waren, sowie der verwundete Kriegsteilnehmer A. Weidner und seine Familie erhielten je 25 Mark ausbezahlt. In den Jahren 1919 und 1920 erhielten je zwei Witwen – offenbar von gefallenen Soldaten – die festgesetzten 25 Mark Unterstützung. Ab 1918 findet sich eine weitere Auszahlung jeweils am Geburtstage des verstorbenen Stifters, am 26. Oktober; 1921 wurden ebenfalls zu beiden Terminen je zwei Witwen bedacht. Interessant ist, dass 1921 und 1922 jeweils die gleichen Witwen berücksichtigt wurden.

Die Verdoppelung der Auszahlungen wurde dadurch möglich, dass die Witwe Alois Baums, Clara, am 4. August 1918, dem ersten Todestage ihres verstorbenen Mannes, eine Zustiftung um weitere 1000 Mark (ebenfalls in Kriegsanleihen) vornahm. Die Stiftung sollte „Alois Baum’sche Stiftung“ genannt werden „zu Ehren und zur ewigen Erinnerung seiner Persönlichkeit“ und die Auszahlung unter den gleichen Bedingungen wie bei der ersten Stiftung, jedoch am Geburtstag Alois Baums erfolgen. Das Schreiben vom 18. Juli 1918 wurde außer von Clara Baum auch von ihren Kindern Gertrud, Irma und Josef unterzeichnet. Die Zustiftung bestätigte der Nabburger Magistrat am 6. August 1918 und Bürgermeister Gürtler sprach am 6. November 1918 in einem Schreiben an die Witwe und ihre Kinder „Anerkennung und Dank“ aus.

Eine weitere Zustiftung war bereits 1917 erfolgt. Damals hatte der Kommerzienrat Karl Schmidt in Hof, Inhaber des gleichnamigen Bankgeschäfts (später SchmidtBank), aus Anlass seines 25-jährigen Geschäftsjubiläums dem bayerischen König Ludwig III. die Summe von 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. Der König hatte daraufhin bestimmt, dass die Summe an den Orten „für Wohlfahrtszwecke“ verteilt werden sollte, an denen das Schmidtsche Bankgeschäft Zweigstellen unterhielt. Da in Nabburg bereits seit 1911 eine Geschäftsstelle bestand, wurden dem Magistrat 200 Mark per Postscheck überwiesen. Der Stadtrat beschloss am 20. Juni 1917, diese als Zustiftung zur Baumschen Stiftung zu verwenden und von der Summe ebenfalls Kriegsanleihe-Papiere zu erwerben. Aus den Zinsen wurden noch 1917 je 5 Mark an zwei bedürftige Soldatenmütter bezahlt.

Ebenfalls im Jahr 1917 kam eine zweite Zustiftung hinzu. Der Verein „Feuchtes Eck“ hatte nach dem Vorbild vieler anderer deutscher Städte ab Herbst 1916 die Nagelung eines Kriegswahrzeichens durchgeführt und daraus 332 Mark eingenommen. Davon wurden 300 Mark dem Magistrat übergeben, der diese per Beschluss vom 31. Dezember 1917 der Baumschen Stiftung zuführte. Die Zinsen in Höhe von 7,50 Mark sollten zweimal jährlich jeweils an ein Erstkommunionkind eines Kriegsteilnehmers ausgezahlt werden.

Bereits 1920 wurde in einem Schreiben der Regierung der Oberpfalz festgestellt, dass es sich bei der Baumschen Stiftung nicht um eine Stiftung im eigentlichen Sinne handeln würde, sondern um „Schenkungen an die Stadtgemeinde mit der Auflage, die Erträgnisse zu bestimmten Zwecken zu verwenden“. Es wurde empfohlen, aufgrund der niedrigen Zinsen entweder die Zahl der Begünstigten oder die Auszahlungstermine zu reduzieren.

Anfang 1923 wurde dann deutlich, dass aufgrund der herrschenden Inflation „25 M bei der jetzigen Geldentwertung eine Hilfe nicht mehr gewähren können“, weswegen Clara Baum den auszuzahlenden Betrag durch eine einmalige Spende von 350 Mark auf 400 Mark erhöhte, so dass zwei Witwen im Bürgerspital je 200 Mark ausgezahlt werden konnten.

Eine letzte Zustiftung ist 1925 aktenkundig. Im Februar 1925 übergab Sally Bruckmann (1890 – ca. 1942), Ehemann von Gertrud Baum (1892 – ca. 1942) zur Erinnerung an seine am 28. Januar verstorbene Schwiegermutter Clara Baum Bürgermeister Johann Eckl 50 Mark „als vorläufigen Zins für eine am 1. Todesjahrestag der verst. Frau Baum zu errichtende Stiftung“. Der Stadtrat verfügte am 18. Februar 1925, die Summe der Armenkasse zufließen zu lassen.

Mit dieser Mitteilung endet die Akte des Stadtarchivs über die Baumsche Stiftung. Informationen über Auszahlungen nach 1923 sind nicht mehr enthalten. Aus anderweitiger Überlieferung geht hervor, dass die Kriegsanleihe-Papiere später verkauft wurden und die Stiftung 1938 nicht mehr bestand. Damals waren die jüdischen Stiftungen im Deutschen Reich aufgelöst worden.

Quellen- und Literaturhinweis:

  • Gabriele Ziegler/ Franz Grundler: Gedenke und erzähle. Die jüdischen Familien Baum, Wilmersdörfer und Bruckmann in Nabburg, Nabburg 2007 (hier S. 8 f.)
  • Stadtarchiv Nabburg, Akten II, Nr. 2955