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Vielen Dank an Josef Eimer aus Wernberg-Köblitz, der uns einen Teil seiner Arbeiten zur Verfügung stellt!

Die Nabburger Stadtmauer und der Teufelsschuh

Hausvertrag von Pavia 1329                                                                                                                     
Von weitreichender Bedeutung für den sich rasch konsolidierenden Amtssprengel Nabburg wurde die im Hausvertrag von Pavia festgelegte Teilung der wittelsbachischen Besitzungen. Es gab künftig zwei Fürstentümer, nämlich die Pfalzgrafschaft bei Rhein und das Herzogtum Oberbayern. In dieser am 4. August 1329 getroffenen Übereinkunft billigte Kaiser Ludwig der Bayer den Söhnen seines verstorbenen Bruders Rudolf die Pfalzgrafschaft bei Rhein zu. Zu gehörten u.a. Nabburg, Amberg, Pressath, Erbendorf, Neustadt/WN, Viechtach und Hirschau.

Steuervorteile                                                                                                                                        
Kurfürst Ludwig III., Sohn des deutschen Königs Ruprecht III., befreite die Stadt durch das Privilegium vom 23. September 1429 auf sechs Jahre von jeglicher Steuer, damit sie wegen drohender Hussitenüberfälle den Ausbau bereits vorhandenen Befestigungsanlagen vorantreiben konnte. Außerdem durfte sie 20 Jahre lang ein Ungeld (einen Aufschlag) auf Wein, Bier und Met erheben. Für die hartnäckig geäußerte Behauptung, Nabburg sei von Hussiten eingenommen und/oder gebrandschatzt worden, gibt es urkundlich aber keine Belege. Das bestätigt der langjährige Archivar Bertram Sandner.

Türme und Mauern 
Es mag ein stolzer Anblick gewesen sein, als 12 bzw. 14 trutzige Tore (einschließlich Unterstadt und Venedig) die Eingänge sicherten. Von der wehrhaften Befestigung zeugen bis heute Mähntor, Obertor, Fleischtörlein, Pulverturm, Dechantturm und der doppelte Mauerring mit dem Zwinger

Schäden in der Stadtmauer
Nach so langer Zeit bröckelt das jahrhundertealte doppelschalige Bollwerk – wen wundert es – mittlerweile an mehreren Stellen. Erst im Februar 2021 fielen Brocken auf den Zwingerrundweg im Osten. Auch beim Dechantturm gab es im Winter Steinschläge. Der städtische Bauhof behob die Schäden inzwischen provisorisch. Neuerdings musste die durch das Obertor verlaufende Kemnather Straße einige Tage gesperrt werden, damit das zuständige Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach brüchiges Natursteinmauerwerk unterhalb des Pflegschlosses stützen und verkeilen konnte.

 

Die dazugehörige Sage vom Teufelsschuh

Gleich neben der schadhaften Stelle befindet sich ein rot gefärbter Stein, der die Form eines Schuhes hat. Schon mancher Passant – ob Einheimischer oder Besucher -  wird sich gefragt haben, welche Bewandtnis es damit hat.                                            
Folgende Sage gibt uns darüber Auskunft.                                                                                                                                         

Eines Tages beschloss der Burggraf, für sich und seine Bediensteten eine Kapelle zu errichten und sie dem heiligen Laurentius zu weihen. Heute dient sie übrigens der evangelisch-lutherischen Gemeinde als Gottesdienstraum. Nach einigen Jahren war das Werk vollendet und der Bauherr lud die Ritter und Edelleute aus der Umgebung zur Weihe ein. Den Bischof von Regensburg hatte er gebeten, die Konsekration vornehmen. Am Festtag versammelten sich die vornehmen Gäste bei der neuen Kapelle. Der Teufel aber saß zornig auf dem Berg gegenüber und überlegte, wie er den feierlichen Ablauf verhindern könne. Als Geist alles Bösen war ihm ja das Betreten der Weihestätte verboten. So konnte er nur von ferne zuschauen. Als der Bischof seine Hände hob, um das Gotteshaus zu segnen, ergriff den Teufel eine rasende Wut. Er riss den linken Schuh vom Fuß und schleuderte ihn mit ungeheurer Wucht in Richtung Kapelle. Doch dieser verfehlte sein Ziel, flog gegen die Stadtmauer und grub sich in das Gemäuer ein, wo er heute noch zu sehen ist.

Quellen:                                                                                                                          
Elisabeth-Müller Luckner, Historischer Atlas von Bayern. Nabburg, München 1981                                                                                                                                                
Konrad Haller, Nabburg – Spuren einer reichen Vergangenheit, Nabburg 1953  
Ernst Dausch, Die Sagen von Nabburg und Umgebung, Nabburg 1979
Der neue Tag, Weiden, 15. Juli 2021



Der fürstliche Oberbaurat Max Schultze und das Obertor in Nabburg

Dienst für den Fürsten

Max Schultze wurde am 4. Mai 1845 in Partenkirchen geboren. Nach dem Studium der Architektur und des Ingenieurwesens, der Teilnahme an den Kriegen 1866 und 1870/71 trat er 1872 in den Dienst des mediatisierten Fürstenhauses Thurn und Taxis. Die Ernennungsurkunde zum Bauinspektor bei der Domänenadministration unterzeichnete Erbprinzessin-Witwe Helene, Schwester von Kaiserin „Sisi“. Seit dem Übergang  der säkularisierten Benediktinerabtei St.  Emmeram in Regensburg 1812 an den Generalerbpostmeister war man bestrebt, den riesigen Komplex den Bedürfnissen einer feudalen Residenz anzupassen. Der früh verstorbene Fürst Maximilian (reg. 1883 – 1885) entschloss sich, den Südflügel abreißen und durch ein Neorenaissancegebäude samt  Rundturm ersetzen zu lassen. Heute gilt der 185 m lange Trakt als bedeutendes Denkmal des Historismus in Deutschland. Max Schultze hatte dafür die Pläne entworfen. Es war sein Hauptwerk neben vielen anderen Projekten.

 

Dienst für den König

Mittlerweile zum Bauoberrat befördert, erteilte ihm auch Ludwig II. 1884 einen ehrenvollen Auftrag: Der König wollte auf dem abgelegenen Felskegel des Falkensteins bei Pfronten eine spätgotische Ritterburg errichten. Den Plan seines Oberbaudirektors Georg von Dollmann (Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein) verwarf er, Schultzes Entwurf dagegen gefiel dem anspruchsvollen Monarchen. Straße und Wasserleitung wurden noch gebaut, nicht mehr.

Studienreisen in der Oberpfalz

Eine seiner zahlreichen Studienreisen führte Max Schultze auch quer durch unseren Regierungsbezirk. Was er da an traditioneller Baukunst  in vielen Städten (u.a. in Berching, Beilngries, Neumarkt, Cham, Regensburg, Burglengenfeld, Kallmünz, Amberg und Weiden) entdeckte und in Zeichnungen akribisch festhielt, veröffentlichte er 1911 in der 1907 von J. B. Laßleben gegründeten Zeitschrift „Die Oberpfalz“.

Aufenthalt in Nabburg

1911 machte er Station im mittelalterlichen Nabburg. Besonders interessierte den „Stararchitekten“ das gotische Obertor mit seinen fünf Geschossen und acht Ecken am nordwestlichen Ende der Altstadt. Bereits ein Jahr zuvor hatte er dieses „köstliche Baudenkmal“ bewundert. Jetzt erfuhr er zu seinem Entsetzen, dass es abgebrochen werden sollte. Dafür war bereits 1895 vom Innenministerium die Genehmigung erteilt worden! Ein Anwohner erklärte dem Besucher: „Das alte Tor muss weg, weil es ein Verkehrshindernis ist. Wer es erhalten will, soll das Geld für einen Durchbruch daneben herausrücken!“ Der Mann habe aus seiner Sicht gar nicht so Unrecht, gab der Oberbaurat  zu. Doch auch in kleineren Orten sei für alles Mögliche Geld vorhanden, nur nicht für die Erhaltung derartiger Relikte. So erscheine es denn auch nicht ausgeschlossen, dass dieses Schatzstücklein eines Tages dahin gehe, wohin schon so viel Schönes aus der Oberpfalz gegangen sei. Nur wenn das Land selbst ausgiebig für die Erhaltung solcher Werte draußen in der Provinz die nötigen Mittel bereitstelle, könne der Vernichtung Einhalt geboten werden. Positiv stimme ihn die Bewahrung des Mähntors. Hier habe man 1907 in die Stadtmauer eine zweite breitere Durchfahrt gebrochen. „Da nun aber die Nabburger bei ihrem unteren Tore eine so erfreuliche Lösung gefunden haben und dieser nicht minder schöne Altbau zur Freude jedes Verständigen erhalten blieb, so wollen wir hoffen, dass dieses auch beim oberen Tor der Fall sein möge.“, wünschte der fürstliche Beamte, der am 5. September 1926 in seinem Geburtsort starb.

Erhaltung

Weil sich neben Max Schultze auch der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg nachdrücklich für den Erhalt des malerischen Obertors einsetzte, änderte der Stadtmagistrat seine Pläne: Die angrenzende Befestigungsmauer wurde mit einem großen Bogen durchbrochen und die Zwingermauer versetzt. So konnte die aus Amberg kommende Straße durch eine mäßige Kurve in die neue Öffnung einmünden. Am 8. April 1914 – kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs  - verkündete Bezirksamtmann Karl Mantel in der Lokalzeitung: „Beim Obertor in Nabburg wird gegenwärtig die Stadtmauer durchbrochen, damit die Straße um das Tor herumgeführt werden kann. Auf diese Weise gelingt es, ein ehrwürdiges Wahrzeichen zu erhalten und den modernen Verkehrsbedürfnissen Rechnung zu tragen. In dankenswerter Weise hat die Stadtgemeinde erklärt, die Räume im Obertor nach Beendigung der Ausbesserungsarbeiten für ein Bezirksmuseums zur Verfügung zu stellen.“

Zerstörung

Einen so prominenten Fürsprecher hätte auch das Webertor im Markt Luhe gebraucht: Im März 1937 wurde das letzte von ursprünglich drei Toren abgerissen, obwohl eine Umgehung möglich war. „Dieses Tor stellte schon lange ein Verkehrshindernis dar. Wenn man die bereits angelegte Straße betrachtet, dann muss man bekennen, daß es wirklich nicht schade um dieses alte Bauwerk war.“, hieß es lapidar im „Oberpfälzischen Kurier“.

Fazit

Das Obertor am nordwestlichen Ende der sanierten Nabburger Altstadt ist ein romantischer Blickfang für Einheimischen und Gäste. Nicht auszudenken, wenn das mittelalterliche Kleinod  tatsächlich abgerissen worden wäre! Dass es noch heute alle begeistert, ist auch dem Engagement des fürstlichen Oberbaurats Max Schultze, eines führenden Architekten Deutschlands, zu verdanken.

 

Quellen:

Zeitschrift „Die Oberpfalz“, Jahrgänge 5, 9 und 83, Kallmünz 1911, 1915 und 1995.                                                                                                                           

KDB, Bezirksamt Nabburg, München 1910.                                                                                             

Stadtarchiv Nabburg, Akten I Nr. 2673.

Konrad Haller, Die Spuren einer reichen Vergangenheit, Nabburg 1953.

Franz Herre, Ludwig II. von Bayern, Stuttgart 1986.                                                                            

Oberpfälzischer Kurier, Weiden, 2. Oktober 1937.



Das Plentl-Kreuz bei Maria Brünnl

Tierärzte in Nabburg

1853 wurde Dr. Johann Kreitmann, praktischer Arzt in Hirschau, zum Gerichtsarzt des Landgerichts Nabburg bestellt. 1857 verfasste er einen Physikatsbericht. U.a. erwähnte er darin, dass Georg Reichhard als Tierarzt fungiere und sich durch gewissenhafte Pflichterfüllung auszeichne. Zu Reichhards Nachfolger wurde Julius Plentl berufen. Er stammte aus Niederbayern, wo er 1831 in Jellenkofen, Landgericht Rottenburg, das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern waren der Chirurg Pirmian Plentl und dessen Ehefrau Johanna. 1860 wurde er erstmalig in seiner neuen Funktion tätig. Damals ging es um Viehmarktschaugebühren in Pfreimd.

 

Dienstpflichten

Am 10. November 1861 erließ König Max II. ein Gerichtsverfassungsgesetz, das Rechtspflege und Verwaltung auf der unteren Ebene trennte. Die Kreise wurden in Bezirke mit je einem Bezirksamt eingeteilt. Diese fungierten ab 1. Juli 1862  als reine Verwaltungseinheiten, während die Landgerichte allein gerichtliche Aufgaben erfüllten. Im Vollzug dieser Reform entstand aus dem Landgericht ä. O. Nabburg das Bezirksamt Nabburg. Zu seinen Bediensteten zählte u.a. Bezirkstierarzt Julius Plentl. Er beriet die Distriktspolizeibehörde in allen Angelegenheiten des Veterinärwesens, nahm die Fleischbeschau vor und überwachte die Viehmärkte, Schlachthäuser und Wasenmeister (Abdecker).   

 

Schenkung

Am 2. Januar 1905 entschloss sich der pensionierte Mediziner, dem Bezirkskrankenhaus Nabburg 5000 Mark zu schenken. Mit dieser großzügigen Geste verknüpfte er folgende Bedingungen: Er müsse jederzeit in das Krankenhaus aufgenommen werden. Dort beanspruche er ein eigenes Zimmer. Täglich erhalte er ein Frühstück, Mittag- und Abendessen. Für die Arzt- und Beerdigungskosten komme er selbst auf. Nach seinem Tod erbe das Institut Mobiliar und restliches Vermögen.   Bereits am 24. Oktober 1905 meldete Oberin Maria Nice das Hinscheiden Plentls, der am 21. Oktober 1905 im Bezirkskrankenhaus verstorben sei. Beerdigt wurde der Veterinär am 27. Oktober 1905 auf dem Stadtfriedhof Nabburg.

 

Votivgabe Plentl-Kreuz bei Maria-Brünnl

Bis heute ist der Name des ersten Nabburger Bezirkstierarztes in der Region unvergessen. Er stiftete nämlich 1882 mit Genehmigung des Bezirksamts Nabburg ein sieben Meter hohes Eisenkreuz, das mit einer zwei Meter hohen vergoldeten Christusfigur aus Gusseisen geschmückt war. Der zuständige Pfarrer Franz Xaver Kobler in Schwarzenfeld hatte gegen das Vorhaben keinen Einspruch erhoben, sondern seine Freude darüber ausgesprochen. Allerdings bestand er darauf, dass ein entsprechender Fond ausgesetzt werde, um das 700 Mark teure Kreuz in gutem Zustand zu erhalten. Dem stimmte der Gönner zu. So konnte Kooperator Rathmann dem exponierten Flurdenkmal den kirchlichen Segen erteilen.

Flurdenkmäler dieser Art gibt es häufig. Das Besondere am „Plentl-Kreuz“ ist aber, dass es an der Kante eines 416 Meter hohen, steil abfallenden Felsens steht und nur auf schmalen Pfaden erreichbar ist. Es befindet sich östlich der Wallfahrtskirche Maria Brünnl und ist von Reisenden auf der A 93 und der Bahnlinie Regensburg-Weiden weithin einzusehen. Am Fuß des Bergrückens überwachte einst der beschrankte Bahnposten 24 bei Kilometer 56,3 den Weg von Schwarzenfeld nach Nabburg.

Was veranlasste Julius Plentl zu diesem zweiten Vermächtnis, das bis in die Gegenwart reicht? Nach der Überlieferung hatte er sein Augenlicht sukzessiv eingebüßt. Aber er vertraute auf die Heilwirkung des Quellwassers unterhalb der beliebten Wallfahrtskirche Maria Brünnl und wusch sich mehrmals die Augen aus. Und tatsächlich besserte sich das Sehvermögen, was bald in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer kursierte.

Noch heute gedenken viele Pilger der wundersamen Genesung und benetzen ebenfalls ihre Augen mit dem heilkräftigen Quellwasser. Sie tun das besonders gern am 15. August, dem „Brünnl-Feiertag“ (Mariä Himmelfahrt), wenn sie am Festgottesdienst in der Waldidylle teilnehmen. Aber auch während des Jahres werden Kirche, Kapelle und Quelle von Spaziergängern aus nah und fern aufgesucht.

 

Quellen:                                                                                                                          

Stadtarchiv und Standesamt Nabburg                                                                               

Franz Kobler, Chronik der Pfarrei Schwarzenfeld, Amberg 1905                                          

Rita Scharl, Geschichte der Gemeinde Stulln, Regensburg 1999